Frauen im Forst

Interview mit der Bayerischen Waldkönigin Kerstin Seitz – Leidenschaftliche Forstwirtin aus Bayern

Interview mit der Bayerischen Waldkönigin Kerstin Seitz

Studierte Forstwissenschaftlerin und Bayerische Waldkönigin – wir haben mit Kerstin Seitz über ihren spannenden Werdegang gesprochen.

Wir interessieren uns sehr dafür, wer Sie sind. Stellen Sie sich bitte vor.

Ich bin die Kerstin Seitz, 27 Jahre alt und komme aus Hofstetten. Das ist ein kleines Dorf im Landkreis Roth in Mittelfranken. Meine Familie besitzt knapp 10 Hektar Wald, die überwiegend mit Kiefern bestockt sind und jetzt nach und nach von uns umgebaut werden. Schon von klein auf war ich viel im Wald mit dabei gewesen und kenne deshalb die damit zusammenhängenden Arbeiten nur zu gut. Nach dem Abitur habe ich mich erst bei einem dualen Studium am Finanzamt ausprobiert, aber sehr schnell festgestellt, dass das gar nichts für mich ist und ich lieber einen Beruf mit Bezug zur Natur bzw. zum Wald ausüben möchte. Ja, und so habe ich 2014 das Studium Forstwissenschaft und Ressourcenmanagement an der TUM in Weihenstephan begonnen und währenddessen mein Waldpädagogik-Zertifikat und meinen Jagdschein gemacht. Nach dem Bachelor folgte der Master Forst- und Holzwissenschaften (ebenfalls an der TUM). Seit September 2019 bin ich auch noch ehrenamtlich als Bayerische Waldkönigin tätig und komme dadurch richtig viel rum.

Sie kommen als Bayerische Waldkönigin also viel rum. Was sind denn die typischen Aufgaben einer Waldkönigin und wie wird man überhaupt Waldkönigin?

Meine Aufgabe besteht darin, den bayerischen Wald und die bayerischen Waldbesitzer zu repräsentieren und für sie als Botschafterin zu fungieren. Das heißt, ich trete auf Jubiläumsfeiern von verschiedenen Forstverbänden (FBG, WBV,..) und auf anderen Events mit Bezug zum Wald auf und halte eine kurze Rede. Aber auch bei den Christbaumübergaben in den Ministerien, der grünen Woche in Berlin und diversen anderen Veranstaltungen bin ich vertreten. Also zumindest, wenn es zeitlich passt. In Kindergärten und Grundschulen hatte ich auch schon einige Termine. Die sind auch immer was Besonderes, weil sich die Kleinen immer riesig freuen. Es macht wirklich wahnsinnig viel Spaß, weil es auch so abwechslungsreich ist!

Die Königinnen-Wahl findet durch den Bayerischen Waldbesitzerverband statt und läuft wie ein klassisches Bewerbungsverfahren ab also mit Motivationsschreiben, Lebenslauf und Foto. Wenn die Unterlagen für gut befunden werden, wird man zum Vorstellungsgespräch nach München eingeladen. Da muss sich dann jede Kandidatin nochmal kurz vorstellen, einen Vortrag halten, Fragen zum Thema Forst beantworten. Im Anschluss wird dann im Gremium entschieden. Wenn man die Grundvoraussetzung des Waldbesitzes erfüllt, ist es also gar nicht so schwierig.

Zurück zum Forst. Was war der Grund sich für diesen Weg zu entscheiden?

Wie bereits angesprochen, gehört der Wald schon immer zu meinem Leben dazu und es gibt für mich nach wie vor nichts Schöneres als draußen unterwegs zu sein. Deshalb wurde mir während meines Finanzamt-Studiums auch sehr schnell klar, dass ich einen Job ausüben möchte, in dem ich sowohl im Büro, aber eben auch draußen tätig sein kann. Ich fand es auch immer sehr interessant, was mein Papa uns alles über den Wald, die verschiedenen Bäume, Sträucher, Tiere etc. erzählte. Irgendwann dachte ich mir dann, dass ich da noch mehr drüber lernen möchte und so bin ich auf den Studiengang in Weihenstephan gekommen.

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Wie verlief Ihr Studium? Welche Schwerpunkte wurden hier gesetzt?

Das Studium verlief eigentlich sehr gut, der Master sogar noch um einiges besser als der Bachelor, da ich hier meine eigenen Schwerpunkte setzen durfte. Ich wählte die Vertiefungsbereiche Holz als Roh- und Werkstoff, Wald im Gebirge und Forstbetriebsmanagement. Im Master durfte ich auch an einer zweiwöchigen Exkursion in Amerika mit der Partneruniversität YALE teilnehmen. In diesen Wochen sind wir mit Kleinbussen von Denver nach Albuquerque gefahren und haben uns verschiedene Waldbestände, auch von Feuer zerstörte Wälder, angeschaut. Das war richtig interessant.

Wie groß ist der Frauenanteil während des Studiums gewesen?

Im Bachelor waren es in etwa 50 Prozent und im Master schon deutlich mehr Männer. Studien zu folge nimmt der Frauenanteil aber stetig zu. Also schauen wir mal, wie es sich in ein paar Jahren entwickelt. Ich bin auf jedenfalls gespannt.

Was machen Sie aktuell und wie sieht die weitere Planung aus?

Meine Masterarbeit ist abgegeben und jetzt warte ich nur noch auf meine Abschlussdokumente um mit dem Kapitel Studium komplett abschließen zu können. Seit September habe ich in Leipheim, das ist im Landkreis Günzburg, also in der Nähe vom Legoland, in einer Baumschule das Arbeiten angefangen. Dort fühle ich mich sehr wohl und freue mich endlich, richtig Geld zu verdienen. Und was die Zukunft sonst noch so alles bereithält, werden wir sehen.

Sie werden dennoch weiterhin praktische Tätigkeiten im Forstbereich ausüben?

Ja, natürlich. Wenn man Wald besitzt, gibt es immer praktische Tätigkeiten, die gemacht werden müssen. Diesen Herbst/Winter wollen wir weiter Mischbaumarten einbringen und mehrere Zäune ziehen. Im Sommer habe ich auch bei den Bayerischen Staatsforsten in Allersberg gearbeitet und währenddessen alte, nicht mehr benötigte Wuchshüllen entfernt sowie bei der Borkenkäfersuche geholfen.

Was sehen Sie als eine große Herausforderung als Frau im Forstberuf?

Das ist eine schwierige Frage. Grundsätzlich muss man hier – meiner Meinung nach – unterscheiden, welche Art von Forstberuf man ausübt. Sitzt man eher im Büro oder ist man in einer Waldarbeiterrotte unterwegs. Ich denke, dass jeder Job die ein oder andere Herausforderung mit sich bringt; die eine größer als die andere. Letztendlich geht es aber immer nur darum, wie selbst damit umgegangen wird. Ich persönlich kenne keine Herausforderung, die insbesondere für Frauen schwieriger sein sollte, als für Männer. Natürlich haben Männer tendenziell mehr Kraft als Frauen und tun sich deshalb vielleicht bei verschiedenen Tätigkeiten, wie beispielsweise Fällarbeiten, leichter. Allerdings denke ich, dass man sich immer an die körperliche Belastung gewöhnen kann.

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Was denken Sie, wie man noch mehr Frauen für Forstberufe begeistern könnte?

Ich denke, dass Frauen einen anderen Anspruch an den Wald haben. Sie möchten nicht nur Bäume fällen und damit wirtschaften, sondern vielmehr Vielfalt, Ästhetik und Naturschutz schaffen. Nachdem diese Themen in der heutigen Gesellschaft immer wichtiger werden, könnte das evtl. viele Frauen motivieren im Forst zu arbeiten. Vielleicht fühlen sich Frauen dem Forstberuf aber auch eher hingezogen, wenn sie sehen, dass in dem Bereich bereits viele Frauen tätig sind. Motorsägenkurse allein für Frauen haben ja aktuell eine enorme Nachfrage und zeigen deutlich, dass das Interesse der Frauen am Forst auf jeden Fall vorhanden ist.

Sie berichteten im Vorfeld von einem Taifun Sägespaltautomaten. Wie beschreiben Sie die Arbeit mit diesem Gerät?

Die Arbeit mit dem Taifun Sägespaltautomaten ist eine totale Erleichterung. Das Ganze funktioniert echt schnell und die Bedienung ist sehr einfach. Die Baumstämme können vier bis fünf Meter lang gelassen werden und werden dann nacheinander auf das Förderband gerollt und in den Automaten befördert. Im Inneren des Taifuns werden die Stämme geschnitten und gespalten. Die Holzscheite werden dann direkt in Gitterboxen eingefüllt. Es geht wirklich sehr schnell.

Welche unvergesslichen Begegnungen bzw. Momente verbinden Sie noch mit dem Wald?

Da gibt's so viele, die kann ich hier gar nicht alle aufzählen. Aber ein sehr schöner Moment war, als ich meinen ersten Baum gepflanzt habe. Insgesamt freut es mich immer sehr, wenn ich sehe, wie die kleinen Pflänzchen zu richtigen Bäumen heranwachsen.

Zu guter Letzt: Was unternehmen Sie als Ausgleich, wenn Sie mal nicht im Wald sind?

Ich verbringe sehr viel Zeit mit meiner Familie, mit Freunden und natürlich auch mit meinem Hund. Sie ist jetzt gerade einmal ein Jahr alt, also treiben wir uns viel in der Hundeschule rum. Und sonst mache ich eigentlich das Übliche: Ich mache etwas Sport, am liebsten gehe ich schwimmen und spiele Volleyball. Ich mag gemeinsame Koch- und Spieleabende oder auch nur das gemütliche Beisammensitzen.

Vielen Dank für das sehr interessante Interview. Wir sehen uns wieder – nämlich im Forstkatalog 2020/2021. Das gesamte KOX Team wünscht Ihnen viel Erfolg für Ihre forstliche Zukunft.

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